Estacion Esperanza

Rundbrief Dezember 2025

Grüezi miteinander!
Gerne erzählen wir in dieser Adventszeit über die neusten Ent-wicklungen von Estación Esperanza und teilen unsere aktuellenFreuden und Sorgen.

Jugendwochenende

Wie jedes Jahr führten wir das Camp in einer Unterkunft etwa 2,5 Stunden entfernt von Ventanilla durch. Es waren zwei Tage voller Leben, Lachen und Tiefe: Lobpreis, Spiele, Impulse, Kleingruppenzeiten, ein nächtliches Geländespiel, ein Selbstverteidigungskurs für die Mädchen, Flussabenteuer usw. Ein Knabe sah zum ersten Mal in seinem Leben einen Fluss und fragte: „Warum ist dieses Meer nicht salzig?“

Auch die 19 jährige Kati (Name abg.) nahm daran teil. Sie wuchs in den Bergen bei einem Vater auf, der allzu viel trank und die Mutter regelmässig schlug. Als Teenager flüchtete sie nach Lima. Das Leben hier war überhaupt nicht einfach und so zog sie, nachdem der Vater sich selbst das Leben genommen hatte, wieder zur Mutter. Allerdings war die Mutter nicht einverstanden, dass Kati die Schule fortsetzte («ein Mädchen braucht keine Bildung»). Deshalb ging sie wieder zurück nach Lima, wo sie die Sekundarschule abschloss. Hier gelangte sie durch eine Freundin in unser Camp. Es war eine völlig neue Erfahrung und sie meinte nach einem Gespräch: «Ich habe zum ersten Mal alles erzählt und fühle mich leichter.» Diese Offenheit war aber auch der gesamten Stimmung zu verdanken. Besonders berührte uns die grosse Bereitschaft ‘unserer’ EsEs-Jugendlichen, viel Mitverantwortung zu übernehmen. Solche Zeichen erleben wir als grosse Bestätigung unserer Bemühungen.

Da ein solches Camp stets mit grossem Aufwand verbunden ist, freuen wir uns sehr auf die Weiterentwicklung unserer Baulichkeiten. Nachdem der Kindergarten bestens läuft, sind die Bauleute an der Schule dran. Anschliessend sind dann noch Räumlichkeiten für Lager, Retraiten usw. vorgesehen. In unserer Gegend gibt es nichts dergleichen und wir rechnen deshalb in diesem Bereich mit einem gewissen Gewinn.

Schulabschluss Angie

Peru entwickelt sich

Seit am 10. Oktober die Präsidentin Dina Boluarte vom Kongress wegen ‘dauerhafter moralischer Unfähigkeit’ abgesetzt wurde (berechtigterweise!), herrscht im Land viel Unruhe und vor allem im Grossraum Lima hat sich die Sicherheitslage verschärft. Es kommt häufig zu Busstreiks und damit zu Ausfällen im öffentlichen Verkehr. Der Hauptgrund: Kriminelle Gruppen verlangen von den Busfahrern Schutzgeld, bei Nichtzahlung drohen Gewalt und Anschläge. Ein Kleinbusfahrer aus unserer Nachbarschaft verspätete sich mit dieser Zahlung und darauf wurde sein Bus beschossen. Heute arbeitet er in einer Fabrik.

Viele Familien müssen heutzutage ihren Alltag ständig improvisieren. Oft informiert das Bildungsministerium erst in der Nacht zuvor, dass am nächsten Morgen der Unterricht online stattfindet und die Schulen geschlossen sind. Wir als Eltern und als Verantwortliche für einen Kindergarten sind davon direkt betroffen. Und trotzdem: Peru entwickelt sich! Obgleich die Armut weiterhin gewaltig ist, obgleich es ständig Rückschritte gibt und man fast nichts merkt… Es tut sich was!

So wurden zum Beispiel im Slum Kouri Hanna (hier wuchs Carlos auf und hier steht unser erstes Projekthaus) nach 30 Jahren erstmals die Strassen asphaltiert, sowie Trottoirs und Treppen gebaut. Auch wenn an etlichen Stellen sichtbar ist, dass die Arbeit nicht sauber ausgeführt wurde, freuen sich viele Bewohner über die Verbesserungen.

Solche öffentlichen Bauaufträge sind sehr lukrativ und die Versuchung für die Baufirmen, es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen, ist sehr gross. Der Auftrag für die Arbeiten in Kouri Hanna erhielt ironischerweise ausgerechnet jene Baufirma, die bisher für unser eigenes Projekt zuständig war. Eine grosse, bekannte Firma, aber …

Bauprojekt Mi Peru

Ja, wir mussten die gleiche Erfahrung machen wie viele Peruaner, privat und öffentlich: Auch unsere Baufirma nahm es mit der Wahrheit ungenau. Etliche gesetzliche Sicherheitsvorgaben wurden nicht eingehalten und etliches wurde billiger gebaut, als dies auf den Rechnungen zu sehen ist. Die Stabilität des Gebäudes ist damit nicht gewährleistet. Einerseits versuchen wir, mit geeigneten Schritten die Firma zu belangen. Doch in Peru sind die Chancen klein, die Korruption ist allgegenwärtig. Andererseits sind wir mit einer neuen Baufirma daran, den Schaden in möglichst engen Grenzen zu halten. Diesbezüglich sind wir auf gutem Weg. Das Fundament wird von unten her verstärkt, ein Bautrakt wird neu gebaut. Es sind architektonische Neuanpassungen nötig und weitere Aufstockungen kommen auf das entstehende Schulgebäude anstatt auf den Kindergarten. Der unterstützende Architekt aus Hombrechtikon, Stefan Staub, kam extra für nur zwei Tage aus der Schweiz hierher, um sich ein Bild von der Situation zu verschaffen und sich mit der Bauleitung abzusprechen. Sein Eindruck von den neuen Leuten ist sehr positiv.

Wir sind froh, dass die entsprechenden Untersuchungen frühzeitig erfolgten und nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt. Unser Ziel ist es, so viel wie möglich Schritt für Schritt zu realisieren, in dem Umfang, wie finanzielle Mittel vorhanden sind. Damit wir die Bewilligung für die erste Primarschulklasse erhalten, müssen folgende Bereiche zwingend fertiggestellt sein: Toilettenanlagen, Mehrzweckhalle, Pausenhof, Räume und Struktur der ersten Primarschulklasse.

Es wäre wichtig, könnten unsere Kindergartenkinder künftig direkt bei uns in die Primarschule wechseln – und wir dürften ihre Familien möglichst ohne Unterbruch begleiten.

Zu ihrer Überraschung stiessen übrigens die Bauleute bei der Reparatur des Fundaments auf ein Stück Fels. Ein schönes Symbol dafür, dass unser Haus nicht nur auf Sand gebaut ist (vgl. Bergpredigt bei Matthäus 7,24).

Mi Peru: Weihnachtsguzli backen 

Leitungsstruktur – nächste Schritte

Bekannterweise erfordert es durch unseren baldigen Umzug in die Schweiz eine neue Leitungsstruktur und inzwischen hat sich diesbezüglich Verschiedenes weiterentwickelt: Natalia und Rodolfo (operative Leitung seit Juli 2025) arbeiten enger mit dem peruanischen Vorstand zusammen, um Kompetenzen und-Verantwortlichkeiten klarer zu definieren und die verschiedenen Aufgaben adäquat zu verteilen. Die Gespräche verlaufen konstruktiv und zeigen, wie das Team mitdenkt und Verantwortung übernimmt. Für uns ist es ermutigend zu sehen, wie sich die neuen Strukturen festigen und wie stark das lokale Team inzwischen selbstständig Entscheidungen trifft– ein wichtiger Schritt für die Zukunft von Estación Esperanza.

11 Jahre EsEs

11 Jahre EsEs (November)

Unser 11 Jahre-Jubiläum war ein fröhliches und ermutigendes Fest, an dem viele Menschen aus der Umgebung teilnahmen. Die Kinder und Jugendlichen gestalteten ein vielfältiges Programm: Kindergartenkinder tanzten, Jugendliche führten ein Theaterstück auf, unsere Band sorgte mit Energie und Herzblut für Musik. Spielposten luden zum Mitmachen ein und dank einer Spende der neuen Baufirma konnten wir Lebensmittelpakete verlosen. Auch Vertreter*innen der lokalen Gemeinde nahmen teil und zeigten Wertschätzung für unsere Arbeit. Es war ein Tag voller Freude, Begegnung und Hoffnung.

Wir danken für alle Unterstützung und wünschen eine gesegnete Weihnachtszeit.

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