Rundbrief Juli 2025
Grüezi miteinander!
Es ist viel in Bewegung – bei uns persönlich und im Projekt. Wir erleben Wandel, Überraschungen, Herausforderungen, Freuden –und wir sind erfüllt von Hoffnung.
Gott sei Dank gibt es EsEs
Die dreijährige Sara (Namen z.T. abgeändert) besuchte diesen Mai zum ersten Mal unseren Kindergarten. Zuvor war sie in einem staatlichen Kindergarten – wie auch fünf andere Kinder, die mittlerweile bei uns sind. Dort wurden sie schlecht behandelt (z. B. kein Wasser trinken, damit sie nicht aufs WC mussten). Eine Alternative gab es kaum: Private Kindergärten sind für viele zu teuer, staatliche mehr als voll.
Nur EsEs nicht. Unser Kindergarten ist bezahlbar – und wenn nötig, finden wir individuelle Wege.
Nach drei guten Tagen kam Sara plötzlich nicht mehr. Wochenlang hörten wir nichts von ihrer Mutter Lia. Erst durch eine andere Mutter erfuhren wir, dass Lia mit ihren drei kleinen Töchtern in einem geleasten Kleinbus hauste, ihrem letzten Rückzugsort, nachdem sie die Wohnung verloren hatte. Der Bus diente gleich zeitig als Arbeitsplatz (sie und ihr damaliger Freund hatten eine Art von kleinem ÖV-Auftrag) und als Schlafplatz – jede Nacht von Neuem eine gefährliche Situation. Schliesslich fehlte das Geld für das Abzahlen und Lia verschwand mit den Kindern aus dem Bezirk.
Bis sie eines Morgens wieder dastand – erschöpft, aber bereit zu reden. In einem langen Gespräch erzählte sie von ihrem Ex-Freund (Fahrer des erwähnten Kleinbusses), wie er sie gewürgt hatte. Und vom Kindesvater, der trinkt. Bis vor einem Monat sass dieser im Gefängnis, weil er gewalttätig war. Sowie: Von ihrer verzweifelten Hoffnung, dass er sich vielleicht doch ändern könnte. „Die Kinder brauchen doch ihren Vater“, sagte sie leise.
Doch sie kämpft. Seit Kurzem arbeitet sie legal als Putzfrau in einem bekannten Restaurant – sechs Tage die Woche, elf Stunden täglich. Sara besucht wieder unseren Kindergarten. Lia zahlt weniger, dafür arbeitet sie gelegentlich mit, wenn es ihre Zeit erlaubt. Es ist bewegend, wenn sie sich einbringt. Bei EsEs findet sie das, was ihr lange gefehlt hat: Vertrauen, Wertschätzung und eine Gemeinschaft, die nicht wegschaut.
Als sie mir von ihrer Kindheit erzählte, kamen mir die Tränen. Ich habe schon viele Geschichten gehört. Manche sind kaum auszuhalten und sind doch Alltag für Frauen wie Lia. Wir möchten sie stärken, ihren eigenen Weg zu gehen – unabhängig vom Vater der Kinder oder sonst einem Partner, der ihr schadet. Wir stehen mit dem Vater in Kontakt und wollen erreichen, dass er die finanzielle Verpflichtung gegenüber seinen Kindern trotzdem übernimmt. Was eher schwierig ist, weiler wieder zu ihr ziehen will. Das Ganze würde dann von vorne beginnen.

spräche (2x pro Jahr)

und in EsEs-Kindergarten
Leitung im Wandel – Hoffnung bleibt
Anfangs Juli konnten wir die operative Leitung von Estación Esperanza an Natalia und Rodolfo übergeben. Sie sind seit vielen Jahren Teil von EsEs und tragen mit Herz unsere Vision. Wir vertrauen ihnen vollkommen.
Nach drei Wochen Ferien sind wir nun wieder im Projekt – bis März 2026. In dieser Übergangszeit begleiten wir das Team weiterhin eng, geben Raum und stärken Natalia und Rodolfo in ihrer neuen Funktion. Auch wenn wir ab April nächstes Jahr in der Schweiz wohnen, behalten wir die strategische Verantwortung. Geplant ist, dass wir jedes Jahr für einige Wochen nach Peru reisen.
Gleich am ersten Tag in der neuen Konstellation zeigte sich, wie wichtig ein gutes Team ist: Zwei Kindergärtnerinnen mussten kurzfristig wegen familiärer Notfälle für einige Stunden weg und eine davon kündigte, als sie später zurückkam. Sie muss bzw. will die zwei Kinder ihrer Schwester aufnehmen. Doch das Team reagierte schnell und engagiert.


Tänze für die Papis auf
Chancen in der Nachbarschaft
Dass eine Kindergärtnerin gekündigt hat und gleichzeitig immer mehr Kinder zu uns kommen, ist eine Herausforderung und gleichzeitig die Gelegenheit, auf eine ganz neue Weise zu helfen.
Wir konnten zwei neue Teilzeitstellen schaffen und mit Andrea und Hillary zwei Frauen aus der Nachbarschaft anstellen. Beide unterstützen EsEs seit geraumer Zeit. Sie sind Mütter und wuchsen in den Slums auf. Durch ihren gelebten Glauben sind sie für viele ein Vorbild.
Hillary musste seinerzeit ein Studium abbrechen, als sie schwanger wurde. „Jetzt arbeite ich, lerne weiter – und es ist ein ganz neues Lebensgefühl. Ich bin stolz und ich kann meiner Tochter ein Vorbild sein“, sagt sie. Andrea hat eine Ausbildung in der Krankenpflege. Doch die langen Arbeitszeiten liessen sich nicht vereinbaren mit dem Leben als Mutter.
Andrea und Hillary bringen Stabilität in unser Projekt und Motivation in die Nachbarschaft. Sie sind zwei Beispiele für den Erfolg unserer Bemühungen, die schulische und berufliche Entwicklung zu fördern und das Leben selbstverantwortlich zu gestalten. Es funktioniert!

Material


Kurz und Wichtig
Unerwartet bekamen wir einen Anruf der Schweizer Firma Sica, die in Peru tätig ist. Dank einer früheren Schulkollegin von Carlos, die heute dort arbeitet, durften wir Renovationsmaterial entgegennehmen. Doch wie bringt man mehrere Tonnen Material vom Lastwagen auf unser Gelände? Carlos setzte kurzerhand junge Männer aus Kouri Hanna (Ort wo Carlos aufgewachsen ist und heute Standort von Projekthaus 1) ein. Darunter war auch José. Vor einem Jahr wurde er von neuen Kugeln getroffen und auf wundersame Weise überlebte er. Er und andere junge Männer aus der Nachbarschaft kämpfen gegen Drogen, Kriminalität und Hoffnungslosigkeit. Doch sie spüren: Es gibt einen anderen Weg. Sie schätzen es, durch EsEs kleine Jobs zu übernehmen, Vertrauen zu erfahren und auf ehrliche Weise Geld zu verdienen. Dieses Vertrauen kann ein Anfang sein.
In unserer kleinen Partnergemeinde «Familia para toda la vida», die sich in den Räumlichkeiten von EsEs trifft, liessen sich vier Personen taufen. Alle vier begleiten wir schon seit Jahren und nun haben sie den Glauben definitiv als Lebensgrundlage gewählt. Es war ein bewegender Moment.
Seit Juli laufen unsere neuen Elternkurse zum Thema Geld: Schulden, Budget, Prioritäten. Zweimal pro Woche lernen Eltern, ihren Alltag besser zu organisieren und vorausschauender zu planen. Die Kurse richten sich an zwei Gruppen: Eltern unserer Kindergartenkinder und Teilnehmende, die von der politischen Gemeinde Ventanilla eingeladen wurden. Für uns ist es erst das zweite Mal, dass wir mit dieser grösseren Gemeinde zusammenarbeiten. Der Kurs findet auch in ihren Räumlichkeiten statt. Bisher hatten wir ausschliesslich mit Mi Perú, einer kleineren Gemeinde, kooperiert.
Die Vorbereitungen für den Bau der Primarschule laufen auf Hochtouren. Carlos arbeitet mit Ämtern, externen Prüfern und Baufirmen. Ziel: Im März 2026 sollen die jetzigen Kindergartenkinder nahtlos bei und weiterlernen können –in einem Umfeld, das Bildung mit Beziehung verbindet und wir den Kontakt zu den Eltern vertiefen dürfen.

Gebetsanliegen


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