Estacion Esperanza

Rundbrief Oktober 2025

Grüezi miteinander!
Lima ist nach Kairo die zweitgrösste Wüstenstadt der Welt – und manchmal scheint das Leben wie eine Wüste. Doch wir dürfen erleben, wie Gott Neues wachsen lässt: kleine Hoffnungszeichen, die Kraft schenken und den Weg ebnen.

Kleine Schritte der Hoffnung

Im Juli haben wir von Lia (Namen z.T. abgeändert) erzählt, jener Mutter, die mit ihren drei Mädchen zeitweise in einem Kleinbus leben musste, ausgesetzt in den gefährlichen Strassen der Slums von Mi Peru. Die Geschichte geht weiter.

Zurzeit lebt Lia zum ersten Mal ohne Partner. Das ist schwer, doch es bringt Ruhe: kein Alkohol, keine Gewalt. Voller Freude erzählte sie, dass sie als Putzfrau mit Vertrag angestellt worden sei. In Peru liegt der Anteil der Beschäftigten ohne formalen Arbeitsvertrag bei rund 70 %. Umso schöner, dass Lia nach kurzer Zeit den Preis als „beste Arbeiterin“ gewann – zusammen mit einer Arbeitskollegin. Auch wenn der Betrag nicht gross war, empfand sie grossen Stolz. Ein ganz neues Gefühl in ihrem Leben!

Gleichzeitig lastet viel auf ihren Schultern. Der Kindsvater aus dem Norden macht ihr ein schlechtes Gewissen und will sie zurückholen. Weil Lia so lange arbeitet, übernimmt ihre achtjährige Tochter oft Haushalt und Betreuung der Schwestern. Aus schlechtem Gewissen kauft Lia der Ältesten manchmal Dinge und spürt doch: Das ersetzt keine Nähe.

In unseren Gesprächen sprachen wir über „Quality Time“. Doch was ist das, wenn man selbst nie erlebt hat, was das bedeutet? Lia konnte sich zunächst kaum etwas darunter vorstellen. Erst durch konkrete Ideen – Frisuren machen, Massagen, Popcorn-Kino in einer selbstgebauten Hütte – begann sie zu entdecken, dass gemeinsame Momente für ihre Töchter wichtiger sind als Geschenke. Ihre Augen strahlen, wenn sie davon erzählt.

Dann kam ein Rückschlag: Ein Unfall am Arbeitsplatz, ein verstauchter Knöchel (oder Bruch?), Gips. Weil sie erst knapp unter drei Monaten angestellt war, übernimmt die Versicherung nur 50% der Arztkosten. Zudem liegt die vorgeschriebene Klinik über eine Stunde entfernt. Busfahren ist für sie kaum möglich, also bleibt nur das Taxi, was neue Schulden bringt. Ihre Tochter Sara konnte deshalb nicht mehr in den Kindergarten: Die Mutter konnte sie schlicht nicht begleiten. Nun organisiert EsEs die Schulwege und dank externer Unterstützung können die Krankenkosten gedeckt werden. Lia kämpft – und EsEs darf an ihrer Seite sein.

Junge Kräfte – lokal und international

Wir freuen uns über Verstärkung: Drei junge Erwachsene aus Deutschland (Organisation „Wiedenest“) und zwei Volontärinnen aus der Schweiz sind für sieben bis zehn Monate bei uns. Zum ersten Mal sind gleichzeitig zwei junge Männer dabei. Wer länger bleibt, lernt Sprache und Kultur besser kennen und übernimmt mehr Verantwortung. Dadurch eröffnen sich Möglichkeiten, die sonst niemand aus dem Team abdecken kann: Z.B. Einzelmusikunterricht, intensivere Begleitung einzelner Kinder und Jugendlicher, Ballett. Sogar ein Weihnachtschor ist am Entstehen. Daneben sind wir als Leitungsfamilien auch dankbar für die Unterstützung durch die Volontäre.

Zwei kleine Beispiele zeigen kulturelle Unterschiede: In Peru werden stets die gefüllten Teller aufgetischt – zum Erstaunen einer Schweizerin, die für alle den Tisch deckte. Oder: Wer nach 17 Uhr in Lima unterwegs ist, braucht für 30 Minuten Fahrt auch mal zwei Stunden.

Neu auf unserer Homepage ist ein Volontärbericht von Clara, die bis vor Kurzem bei uns war. Ein ehrlicher Einblick aus der Sicht einer jungen Freiwilligen.
Zum Bericht.

Nicht nur Freiwillige aus Europa sind eine grosse Bereicherung. Auch Jugendliche aus unserer eigenen Jugendgruppe wachsen mehr und mehr in Verantwortung hinein. Vor drei Wochen leitete Rodolfo ein Wochenende für junge Mini-Leiter, das sehr motivierend war.

Ein besonders ermutigendes Beispiel ist José Armando. Er war schon als Kind in unseren Programmen dabei und schloss im August eine sechsmonatige Bibelschule bei Jugend mit einer Mission (YWAM) ab. Sein grosser Wunsch ist es, Sportlehrer zu werden – mit dem Ziel, später an unserer geplanten Schule zu unterrichten. Obwohl seine Eltern kaum Mittel haben und das Studium sehr teuer ist, scheint dieser Traum Realität zu werden: Die Familie eines ehemaligen Volontärs übernimmt die Kosten. Die Vereinbarung: José arbeitet bei EsEs mit – flexibel angepasst an die Anforderungen des Studiums. Ab Januar, wenn er 18 wird, kann er offiziell angestellt werden. Dass aus einem Kinderprogramm Teilnehmer ein junger Leiter wird, erfüllt uns mit Freude. Vor allem Rodolfos konstante Begleitung als Jugendgruppenleiter war für José in schwierigen Familiensituation sehr wichtig.

Strukturen für die Zukunft

Seit einigen Monaten bauen wir eine neue Leitungsstruktur bei Estación Esperanza auf. Natalia und Rodolfo übernahmen im Juli 2025 die operative Leitung und leiten nun den Alltag im Projekt. Wir selbst bleiben für die strategische Ausrichtung verantwortlich – ab April 2026 von der Schweiz aus. Es ist vorgesehen, dass wir weiterhin regelmässig zum Projekt reisen.

Durch den Prozess begleitet uns Adrian Schenk aus der Schweiz. Er kennt beide Kulturen und Sprachen und hilft uns als Coach, die nächsten Schritte zu klären. Mitte September war er einige Tage bei uns. Gemeinsam schauten wir drei zentrale Themen an: Aufbau klarer Team-Strukturen, Zusammenarbeit zwischen den Vorständen in Peru und in der Schweiz, Verantwortungen und Rollen innerhalb der Leitung.

Auch im peruanischen Vorstand gab es Veränderungen: Zwei langjährige Mitglieder sind ausgeschieden, vier neue kamen dazu. Sie bringen wertvolle Erfahrungen aus Bildung, Theologie, Ingenieurwesen und Forschung mit. Einer von ihnen ist vor Kurzem mit seiner Familie von der Schweiz nach Lima gezogen. Er leitet hier ein anderes Schweizer Hilfsprojekt, ist selbst Peruaner mit Schweizer Wurzeln, und verbrachte den grössten Teil seiner Jugendzeit in der Schweiz. Eine seiner wichtigsten Aufgaben im Vorstand wird sein, eine Brücke zwischen den beiden EsEs-Vereinen in Peru und der Schweiz zu schlagen – sprachlich sowie kulturell. Die Sitzung im September war ein richtiger Aufbruch: So viele Fragen, Ideen und aktives Mitdenken haben wir in all den Jahren selten erlebt. Wichtig ist aber vor allem: Der Kontakt zwischen den Vorstän- den in der Schweiz und in Peru wird enger werden – spätestens ab März, wenn wir nicht mehr vor Ort sind. Das ist entscheidend, um die neue operative Leitung zu stärken, rechtlich abgesichert zu sein und gemeinsam die Zukunft von Estación Esperanza zu gestalten.

Damit das Team klar weiss, wer welche Verantwortung trägt, erarbeiten wir derzeit ein Organigramm, sowie eine Übersicht zu den jeweiligen Aufgaben, Kompetenzen und ein Handbuch. Vieles wurde in den vergangenen Jahren „im Gespräch“ geregelt – was für die Aufbauzeit mit uns als Gründer gut funktionierte. Nun aber braucht es schriftliche Grundlagen, die Transparenz schaffen und Missverständnisse verhindern. Wir spüren, wie dieser Prozess Bewegung, Klarheit und neue Motivation bringt. Es ist ein Übergang, der zum Teil anspruchsvoll ist – aber es zeigt sich schon jetzt, dass Estación Esperanza auf einem guten Fundament steht.

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