Estacion Esperanza

Jahresbericht 2021

Auch in diesem Jahr konnte mit den Programmen und Projekten von Estación Esperanza viel be- wirkt werden. Estación Esperanza durfte Hoffnung weitergeben und viele Menschen begleiten. Wir sind speziell dankbar für die Verwirklichung der ersten Bauphase des Kindergarten-/Schul- projekts.

Januar

Anfangs Jahr heissen wir Abraham als neues Teammitglied willkommen. Er ist der Ehemann unserer Mitarbeiterin Anakarina. Sie ziehen mit ihrem Sohn ins neue Projekthaus in Pachacutec. Nach drei Wochen reduziertem Betrieb, während denen etliche Teammitglieder ihre Ferien bezogen, treffen wir uns am 20. Januar für die Jahresplanung.

Dieses Jahr arbeiten wir nochmals mit dem Schulhaus Mahanaim zusammen, entschliessen uns aber für die Zusammenarbeit mit einem weiteren Schul- haus. Es heisst Mision Integral, befindet sich in Pachacutec und bietet Kinder- garten und Primaschule an. Die Direktorin ist Vereinsmitglied von Estación Esperanza Peru. Da in Peru das ganze Jahr nur Online-Unterricht durchge- führt wird, suchen wir neue Möglichkeiten, die Unterrichts-Qualität zu ver- bessern. Für viele Slumbewohner ist es schwierig, die nötige technische Aus- rüstung zu kaufen. Zudem ist der Internetzugang oft sehr schlecht.

Dieses Jahr nehmen wir 22 Kinder neu in das Unterstützungsprogramm auf. Diese Schülerinnen und Schüler bezahlen monatlich anstatt CHF 80 nur CHF 15 Schulgeld. Unsere Subventionierung wird unter der Voraussetzung ausge- richtet, das sich die Eltern an Elternbildungsveranstaltungen und am Erzie- hungscoaching beteiligen. Dazu verpflichten sie sich mit ihrer Unterschrift.


Ende Januar zieht eine weitere Familie ins Projekthaus Pachacutec: Evelyn und Yaimer mit ihrem Töchterchen. Sie kommen aus Kolumbien und möchten langfristig helfen, Estación Esperanza weiter aufzubauen bzw. zu leiten.

Februar

Nachdem wir Ende 2020 das Pachacutec-Projekthaus 1 von der Schweizer Missionarin Doris Storz gekauft hatten, überrascht sie uns mit einem weiteren

Angebot: Sie bietet uns das Doppelhaus an, das mit dem ersten Gebäude eine Einheit bildet. Preis: $ 160’000 anstelle von $ 200’000.
Das Haus hat eine Grundfläche von 280 Quadratmetern. Es verfügt über viele Räumlichkeiten. Diese können als Gottesdienstraum, Cafeteria, Kinderpro- gramme und auch als Gastzimmer genutzt werden können.

Mitte Dezember begannen in Peru die dreimonatigen Sommerferien. Vor al- lem Kinder aus ärmeren Schichten langweilen sich sehr während dieser Zeit. Die Corona-Einschränkungen ermöglichen uns leider nicht, wie gewohnt un- sere Kinderwoche durchzuführen. Mit virtuellen Kinderprogrammen, Uniho- ckey, Jugendgruppe mit maximum 15 Jugendlichen sowie Predigten vom Dach des Projekthauses Kouri Hanna, wirken wir als Estación Esperanza-Team weiter. Wir nutzen die Zeit auch für Weiterbildung im Team. So sollen Team- Schulungen zu den Themen Gesprächsführung, konstruktives Feedback und «Sanar heridas» (= innere Wunden heilen) die Mitarbeitenden mit neuen Kenntnissen und Fähigkeiten ausrüsten.

März

Der Monat startet mit einem Teamausflug bzw. einem «Visions-Tag». Wir be- suchen fünf Hilfsprojekte in Lima und können somit viel von anderen Organi- sationen lernen. Dies hilft uns, die Vision zu erweitern bzw. anzupassen.

Trotz Lockdown gestalteten wir weiterhin Familienbegleitung, Einzelberatun- gen, Nachhilfeunterricht und für einzelne Kindern Spielstunden.

Mitte März beginnt der Schulunterricht wieder. Dieses Mal konnten wir uns als Team besser auf den coronabedingten Online-Unterricht vorbereiten. Nachbarskinder ohne Internetzugang daheim dürfen auch dieses Jahr zu uns ins Projekthaus kommen. Hier existiert die notwendige Infrastruktur und bei Lernschwierigkeiten sind wir für die Kinder da. Zudem bieten wir wiederum unseren gratis «Kopierdienst» an. Viele Nachbarn sind dankbar, dass wir das Schulmaterial für sie ausdrucken. Für die Kindergartenkinder sowie jüngeren Schulkinder erteilen wir Estación Esperanza-Unterricht. Mit drei Lehrerinnen im Team sind wir wie berufen dazu. Wir teilen die Kinder in Kleingruppen auf, damit die Corona-Schutzmassnahmen gewährleistet sind. An gewissen Fächern nehmen sie nach wie vor via Zoom teil. Auf diese Weise begleiten wir 13 Kinder. Die älteren Kinder, die schon längere Zeit in unser Patenschafts- programm integriert sind, erhalten den Unterricht weiterhin ausschliesslich via Zoom.

Es ist wieder erlaubt, sich in kleinen Gruppen zu treffen. Im neu renovierten Pachacutec Projekthaus 1 starten wir mit Schneiderkursen. Eine peruanische Volontärin unterrichtet zwei Frauengruppen je dreimal pro Woche. Das Interesse und die Motivation der Frauen sind gross. Zwei Frauen kaufen sich schon nach wenigen Wochen eine eigene secondhand Nähmaschine und kön- nen mit privaten Nähaufträgen ein kleines Einkommen generieren.

April

Die Zahlen der Coronavirus-Infizierten sowie der Todesopfer sind beängsti- gend hoch. Die staatlichen Krankenhäuser sind überfüllt und die Versorgung ist schlecht. Zudem werden jüngere Leute bevorzugt behandelt. Drei unserer Nachbarn sterben an den Folgen einer Coronavirus-Infektion. Da die Kirchen geschlossen sind, können keine Pfarrer engagiert werden. Deshalb wird Car- los manchmal als Prediger eingeladen – und zwar immer mehr auch in Todes- fällen. Die Abdankungen finden zuhause statt, denn während der Pandemie steht der Friedhof dafür nicht zur Verfügung. Carlos schützt sich jeweils so gut wie möglich. Es ist wichtig, dass wir in dieser Zeit den Slumbewohnern zur Seite stehen können.

Mai

Aufgrund verschiedener Anfragen unserer Nachbarn beginnen wir, am Sonn- tagvormittag jeweils Gottesdienste zu feiern, zu denen alle Interessierten ein- geladen sind. Wir wechseln innerhalb des Teams bei der Leitung und beim Predigen ab. Es ist uns aber wichtig, nicht als eine Art Kirche verstanden zu werden.

Neben den Nähkursen gibt es neu auch in “Pachacutec 1” Unihockey und «Lektü re im Park». Dieses bewährte Programm fördert die Freude am Lesen.

Viele Leute in Lima können nicht mit dem Geld umgehen, was verherende Konsequenzen für die Familien hat. Gemäss Schätzungen sind 80% der Bevöl- kerung (11 Millionen) verschuldet. Indicamino (Schweizer Mission) hat zu dieser Thematik sehr gutes Material mit dem Titel «Nie mehr pleite sein» ent- wickelt. Auch wir führen nun diese Schulung durch. Für Eltern, deren Kinder von uns Stipendien beziehen oder die sonst schulisch unterstützt werden, ist die Teilnahme obligatorisch. Der Kurs dauert sechs Wochen und findet einmal pro Woche statt.

Juni

2019 hatten wir sehr günstig ein 2007 m2 grosses Grundstück gekauft. Es liegt strategisch günstig im Bezirk «Mi Peru» zwischen unseren zwei Projekt- häusern. Per Bus sind die drei Standorte innerhalb von 15 Minuten erreich- bar. Weil sich herausgestellt hatte, dass die Zusammenarbeit mit Schulen langfristig nicht nachhaltig ist, stehen wir in den Vorbereitungen für den Bau eines eigenen Kindergarten-/Schulprojektes.

Für uns ist es ein Wunder, dass wir nun die Schutzwand um das Grundstück bauen können. Noch im März 2021 erhielten wir von der politischen Ge- meinde einen Brief mit der Nachricht «Bauen verboten». Nachdem wir einein- halb Jahre immer wieder versucht hatten, eine Baubewilligung zu erhalten, war das ein grosser Schock. Doch dann starb der Gemeindepräsident im April an Covid. Sein engster Berater floh, da er viele Verbrechen begangen hatte. Es stellte sich heraus, dass der Bürgermeister und seine Vertrauensperson unser Landstück für sich aneignen wollten. Verantwortliche an verschiedenen Stel- len der politischen Gemeinde wurden dann ausgewechselt und Estación Espe- ranza erhielt bereits nach einem Monat die Bewilligung für den Bau einer Wand rings um das Gelände!

Juli

Die Schutzwand ist fertig gebaut. Wir organisieren einen Graffiti-Wettbewerb. Die Wand wird zum Thema «Hoffnung» farbig gestaltet.

Nach der zweiten Coronawelle hat sich die Lage so weit beruhigt, dass wir während der Schulferien an beiden Standorten die Kinderwochen durchfüh- ren können; am Vormittag in Kouri Hanna (ca. 30 Kinder), am Nachmittag dasselbe in Pachacutec (ca. 50 Kinder). Da es im Pachacutec-Projekthaus 1 keinen genug grossen Raum gibt, weihen wir das erwähnte “Doppelhaus”. Dieses kauft Estación Esperanza und wird es in vier Raten in den nächsten zwei Jahren bezahlen.

August

Nach der Kinderwoche beginnen wir wieder mit den wöchentlichen Kinder- programmen – nun in beiden Projekthäusern. Da jedoch einige Kinder nicht zu uns kommen können/dürfen, führen wir auch die wöchentliche Zoom-Kin- derstunde weiterhin durch.

Die Familie Bernales-Kühni reist für drei Monate in die Schweiz. Miriam er- wartet auf Ende September ihr erstes Kind. Das Estación-Esperanza Team leistet wunderbare Arbeit auch ohne die Projektleitenden. Das Stellvertreter- ehepaar Nathalia und Rodolfo erfüllen ihre Aufgaben hervorragend.

September

Die Teilnehmerzahl der Pachacutec-Aktivitäten nimmt rasant zu – bis zu 150 Personen. Für die zwei verantwortlichen Ehepaare wird die Arbeit zu viel. Eine weitere Familie zieht ins «Doppelhaus» in Pachacutec. Samuel, seine Frau Esther sowie ihr einjähriger Sohn leben sich schnell in das Projekt Esta- ción Esperanza ein. Dank diesem Ehepaar werden neue Aktivitäten wie Schachkurs und Ballett eingeführt. Dabei geht es stets um das Gleiche:

Prävention, Integration und den Menschen die Möglichkeit geben, Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Das alles dient der Stärkung des Selbstwert- gefühls. Ebenfalls wichtig: Freizeit sinnvoll gestalten.

In der Schweiz erblickt derweil am 24. September Mael das Licht der Welt.

Oktober

Jährlich führen wir rund fünf Kinderbazare durch – so auch im Monat Okto- ber. Die Kinder können gegen Tickets (die sie jeweils fü r gute Präsenz erhal- ten) Secondhandkleider und Spielsachen kaufen.

Die Familie Estación Esperanza wächst weiter. Nathalia und Rodolfo nehmen zwei Kinder auf. Jennifer (8 Jahre) und Camilo (10 Jahre) sind Geschwister und lebten einige Jahre in einem Kinderheim.

November

Anfangs November reist die Familie Bernales-Kühni zurück nach Lima. Dort startet gleich die erste Bauphase auf dem Grundstück. Diese beinhaltet den Bau des Fundaments für den Kindergarten sowie die Primarschule. Es wird Wert darauf gelegt, dass der ganze Bau erdbebensicher gemacht wird. In Zu- sammenarbeit mit einem Architekten aus der Schweiz sowie einem aus Peru wurden die Pläne für den Kindegarten, die Primarschule sowie den öffentli- chen Bereich gestaltet. Die Hälfte des Grundstücks soll zu einem späteren Zeitpunkt für folgende Zwecke genutzt werden: Cafeteria, Zimmer für Haus- aufgaben, Sportplatz, Meeting Hall u.ä. Diese zusätzliche Infrastruktur ermög- licht die Umsetzung unserer pädagogischen Zielsetzungen und die Kontakt- aufnahme zur Bevölkerung. Der Bau des Kindergartens hat erste Priorität. Am 20. und 21. November durften wir „7 Jahre Estació n Esperanza“ feiern.

Dezember

Die Zeit vor Weihnachten ist geprägt von verschiedenen Estación Esperanza- Weihnachtsanlässen (Kinderfeier, Jugendgruppe, Gottesdienst, öffentlicher Anlass auf einem Fussballfeld mit freiwilliger externer Theatergruppe). Pa- nettone und heisse Schokoladenmilch dürfen an diesen Feiern nicht fehlen, denn diese gehören zur Tradition in Peru. Wir sind dankbar für Familien aus Lima, welche dies gesponsert haben.

Zu guter Letzt

Zu guter Letzt möchten wir von Herzen allen danken, welche uns im vergangenen Jahr un- terstützt haben. Vor allem:

  • Allen Spenderinnen und Spendern
  • Allen, die uns mit guten Gedanken bzw. im Gebet begleiteten
  • Allen freiwilligen Mitarbeitern hier und in der Schweiz
  • Dem Vorstand Estación Esperanza Schweiz, welcher uns tatkräftig gerade auch in dieserherausfordernden Zeit unterstützt
  • Dem Vorstand Estación Esperanza Peru, welcher mit uns Ideen entwickelt und auch beider Umsetzung hilft.
  • Der Schweizerische Missions-Gemeinschaft (SGM) für die wichtige administrative Arbeitim Hintergrund