Estacion Esperanza

Rundbrief November 2023

Grüezi miteinander! Einmal mehr wird mir bewusst, wie schnell die Zeit doch vergeht. Unser 3.5-monatiger Aufenthalt in der Schweiz gehört bereits wieder der Vergangenheit an.  

Bye Schweiz / Hola Peru 

Im August landete ich mit einem dicken Bauch in Zürich, und vor einer Woche durfte ich mit einem gesunden zweiten Jungen zurück nach Lima fliegen.
Yosias kam am 3. Oktober in Uster zur Welt. Vor unserer Abreise waren wir mit ihm und Mael noch beim Kinderarzt. Gott sei Dank sind beide Jungs gesund und munter. 
Daneben gab es private Höhepunkte, die ich geniessen durfte: Meine Schwester Linda hatte ihre Hochzeit, ich lernte meine zehnmonatige Nichte kennen, mein Vater feierte seinen 70. Geburtstag, Carlos wurde in seinem zweiten Heimatort, Lützelflüh, vom Gemeinderat empfangen (er ist jetzt ebenfalls Doppelbürger) usw. 

In Lima wurden wir von unseren drei Mädchen, Carlos’ Eltern sowie von einigen vom Team herzlich empfangen. Der Abschied in der Schweiz, das Ankommen in Lima sowie unsere EsEs-Aktivitäten an den ersten drei Tagen wurden vom SRF gefilmt. Es fühlte sich teilweise schon seltsam an, dass solche emotionalen Momente aufgezeichnet wurden. Das SRF ist inzwischen wieder abgereist, und wir sind gespannt auf das Endergebnis. Die Sendung «Familiensache» ist ab dem 5. Januar (20:05 Uhr) bei SRF (SRF bei den Leuten) zu sehen.
Total werden es fünf Folgen sein. 

Wenn ich dann jeweils mit Freundinnen und deren Kindern oder mit Linda und der kleinen Maileen zusammen bin, dann muss ich aufpassen, dass ich nicht allzu sehr ins Schwärmen gerate. Solche Konstellationen gibt es in Peru kaum. Einige vom Team haben zwar kleine Kinder, aber sie verbringen ihre freien Tage anders als ich. Zudem habe ich, trotz den sehr freundschaftlichen Kontakten zu ihnen, die Position der Vorgesetzten. Seit wir in der Schweiz sind, schläft Mael im eigenen Zimmer, kann für sich selbst spielen, akzeptiert andere Personen zur Betreuung, ist trocken (windelfrei) usw. Zudem macht er gewaltige gewaltige Fortschritte mit dem Schweizerdeutsch. Nun warten wir also auf den zweiten Sohn bzw. wenn ihr diese Zeilen lest, ist er hoffentlich bereits geboren. Es ist ein gewaltiges Privileg, dass ich in der Schweiz in einem guten Krankenhaus gebären darf.  

Unseren drei Mädchen in Peru geht es gut. Wir sind regelmässig mit ihnen im Kontakt. Nancy, die Älteste, ist mittlerweile 21 Jahre alt. Sie kümmert sich um die beiden Schwestern, und zwar mit dem Ziel, dass diese möglichst selbständig werden und Eigenverantwortung übernehmen. Sie sagt: «Als ich sechs Jahre alt war, musste ich manchmal tagelang auf die weniger als einjährige Angie aufpassen, da unsere biologische Mutter verschwand. Es kann nicht sein, dass die nun 15- jährige Angie zu bequem ist, um für sich und Flor vor der Schule das Frühstück vorzubereiten. » Hilfreich ist, dass sie stets in unserem Projekthaus das Mittagessen einnehmen können und dass es dort verschiedene Vertrauenspersonen gibt.  

Wir sind sehr dankbar, dass Rachael (aus Bern) mit uns nach Peru geflogen ist und uns während eines Monats als Volontärin tatkräftig mit den Jungs sowie in unserem Haushalt unterstützen wird. 

Der Alltag ist in den Slums einiges umständlicher und anspruchsvoller als in der Schweiz (z. B. überall Staub und Schmutz, Sicherheit weniger gewährleistet, usw.) und dazu kommen noch viele EsEs-Aufgaben, die erledigt werden wollen (z. B. Teamretraite inkl. Übernachtung 7.–8.12., Mitarbeitergespräche, Weihnachtsanlässe, administrative Aufgaben, Bauangelegenheiten usw.). Wir freuen uns sehr, dass unser Team das Projekt auch ohne uns vor Ort erfolgreich geleitet hat. Insbesondere Nathalia und ihr Ehemann Rodolfo (Kolumbien und Peru) haben als unsere Stellvertretung ausgezeichnete Arbeit geleistet. Dank Impulsen aus dem Team gab es sogar verschiedene Verbesserungen im Projektbetrieb (z. B. Teamsitzungsstruktur, Intervision). Es gab auch herausfordernde Momente, die sie vor Ort meistern musste. 

So wurden beispielsweise die Kupferleitungen von unserem Grundstück gestohlen. Wir hatten einen Mann aus der Nachbarschaft angestellt, um unser Grundstück zu bewachen. Offenbar war er zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. Ob er mitschuldig ist, wissen wir nicht. Per Zufall hörte der Chef der Baufirma, der für uns den Rohbau durchgeführt hatte, von diesem Zwischenfall. Er sandte einige seiner Bodyguards zum Grundstück. Diese fanden zwei Drogensüchtige vor, die gestanden, das Kupfer gestohlen und verkauft zu haben. Es wurde ihnen eine Lektion auf eine Art erteilt, die wir nicht gutheissen, obwohl sie in Peru üblich ist. Sie wurden zusammengeschlagen und mit der Pistole bedroht. Sie versprachen, nie wieder ins Grundstück einzudringen.
Rodolfo versuchte noch am selben Tag, eine vertrauenswürdige Aufsichtsperson anzustellen. Das ist jedoch nicht einfach, denn nach diesem Vorfall bzw. bis es im Kindergarten täglich Betrieb hat, möchten nicht viele den Job annehmen. 

Für einen Monat haben wir nun den Cousin eines Delinquenten als Wächter angestellt. Diese Idee sowie der Kontakt sind vom Chef der erwähnten Baufirma gekommen aufgrund seiner Erfahrung sei dies strategisch eine gute Entscheidung. Wenn Eindringlinge kämen, würde unser Wächter seinen Cousin informieren. Wir sind nicht begeistert von dieser Notlösung und suchen nach anderen Optionen. Derzeit sind wir im Gespräch mit einer Familie aus dem Nachbarslum. Wir hoffen, dass sie mit ihren Hunden übergangsweise auf dem Grundstück wohnen können. 

Während unserer Abwesenheit sind erfreulicherweise zwei neue Volontärinnen von der deutschen Bibelschule Wiedenest zum Team gestossen. Rebecca und Naomi werden bis Ende Juli 2024 bei EsEs mitwirken.  

Wann wird der Kindergarten eröffnet? 

Diese Frage stellen wir uns auch. Wir hoffen, dass dies im neuen Schuljahr bzw. Mitte März 2024 geschehen wird. Möglicherweise wissen wir vonseiten der Behörden nicht einmal im Februar, ob wir im März den Kindergarten eröffnen dürfen. Willkommen in Peru … Es bleibt uns nicht viel anderes übrig, als tief durchzuatmen und es so zu nehmen, wie es kommt. Unser Samstagsprogramm führen wir seit einigen Wochen wieder auf dem Grundstück durch. Es war eine Freude, all die Kinder und Mütter nach unserer Rückkehr wiederzusehen. 

Dank finanzieller Unterstützung aus der Schweiz können wir jedoch weiterbauen. Wir staunen über die Fortschritte während unserer Abwesenheit. Bald kaufen wir die Fenster und Türen für den Kindergarten. Es gibt aber noch einen weiteren Faktor, den wir nicht beeinflussen können. Das Grundstück befindet sich in einer Industriezone. Obwohl sie rundherum bereits als Wohngebiet genutzt wird, mussten wir eine Zonenanpassung beantragen. In einer Industriezone darf nämlich kein Kindergarten eröffnet werden. Der Bürgermeister von Mi Peru bestätigte uns jedoch, dass er alles daransetzen wird, dass die nötige Anpassung bald vorgenommen wird. Einen wichtigen Beitrag dazu hat er schon geleistet. 

Vor einigen Woche hätte Carlos den Bürgermeister beinahe angerufen, um ihn bezüglich der Bewilligung für das Führen einer Schule/ eines Kindergartens um einen Gefallen zu bitten. Dies widerstrebte Carlos jedoch, da alle Leute den Bürgermeister immer um Gefallen bitten müssen. Wir konnten es daher kaum glauben, als der Bürgermeister Carlos in die Schweiz anrief und sich nach dem Stand der Bewilligung erkundigte. Nach all den Schwierigkeiten, die wir Anfang Jahr mit der politischen Gemeinde hatten, sind diese guten Beziehungen für uns ein enormes Geschenk. Wir trafen uns in der vergangenen Woche mit dem Bürgermeister und brachten ihm als Geschenk Schweizer Schokolade mit. Wir staunen, dass er an unserer Arbeit interessiert ist, obwohl er von uns kein Bestechungsgeld bekommt, wie dies normalerweise der Fall ist. Von sich aus sagte er, dass wir mit seiner Unterstützung rechnen dürfen. 

22, 68, 3, 51 … BINGO!  

Da in Kouri Hanna nicht 150 Leute in den grossen Raum passen, veranstalteten wir unser Jahresfest auf dem Strässchen vor dem Projekthaus. Die EsEs-Band sorgte für gute Musik und Lobpreis zum Mitsingen. Kinder liessen guten Wünsche für EsEs mit Heliumluftballons in den Himmel steigen. Einzelne Projektbesuchende wollten wertschätzende Rückmeldungen mit allen teilen, wie zum Beispiel der 17-jährige Eliu: «Ich bin nun seit gut einem Jahr in der Jugendgruppe Kingdom Kids von EsEs. 


An diesem Ort fand ich Freunde, eine Familie und lernte Gott kennen. Dank den Programmen verbringe ich meine Freizeit sinnvoll.» Als Höhepunkt des Fests spielten wir Bingo, an dem Gross und Klein mit grosser Begeisterung teilnahmen. Für Carlos und mich war das Jahresfest voller Überraschungen, da wir während der Vorbereitungen nicht in Peru waren. Unser Team machte einen super Job. Der krönende Abschluss war ein gemeinsames Hamburgeressen mit dem ganzen EsEs-Team in einem kleinen Restaurant.

Danke

Wir wünschen eine gesegnete und frohe Weihnachtszeit.

Liebe Grüsse aus Lima, Miriam und Carlos Bernales-Kühni + EsEs Team 

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